Was erhoffen Sie sich bei dieser Frage von einem Bewerber? bzw. Was wollen Sie wirklich hören?
Ehrlich? … Ich arbeite seit 18 Jahren, bin offen und direkt, war eine ambionierte Mitarbeiterin und Führungskraft und jetzt Selbständige, aber bei der Frage „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“ habe ich mich immer unwohl gefühlt.
Warum habe ich mich bei dieser Frage immer unwohl gefühlt?
Als Bewerberin – je nach Alter und Job:
- „Puhh, was will der zukünftige Vorgesetzte / die Personalerin (HR-Dame) jetzt von mir wissen?“
- „Egal, was ich sage, das kommt nur falsch rüber.“
- „Wenn ich jetzt sage, dass ich ambioniert und sehr motiviert bin,
dann befürchtet er vielleicht, dass ich seinen Job haben will.“ - „Wenn ich sage, ach ganz egal, ich bin ganz flexibel und nehme alles wie es kommt. Dann denkt er sich, die ist ja total langweilig, da geht sicher nichts weiter und Ziele hat sie auch keine, dann kann sie den Umsatz auch nicht steigern.“
- uvm.
Schlussendlich konnte ich meine Vorgesetzten immer überzeugen, und zeigen, dass ich viel Motivation, Engagement und Durchhaltevermögen in mir habe. Und die Umsätze ordentlich steigern konnte. Aber in den Bewerbungsgesprächen war es für mich jedes Mal eine neue große Herausforderung, obwohl ich wusste ich kann alles schaffen.
Als Vorgesetze und Führungskraft:
Auch hier war es für mich nicht einfach die Frage, „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?“, zu stellen. Deshalb habe ich angefangen, die Frage anders zu formulieren:
- „Was benötigt es, damit du in 5 Jahren noch bei uns in der Firma bist?“
- „Was muss passieren, damit du noch in ein paar Jahren bei uns bist?“
- „An was hat es gelegen, dass du in den letzten Betrieben nicht so lange warst?“
Durch diese Umformulierung und die Verwendung des „DU“ war es für mich als Vorgesetzte einfacher die Frage zu stellen und die BewerberInnen haben sich leichter getan auf die Fragen zu antworten.
Meine Mitarbeitenden sind länger geblieben, als der Durchschnitt im Unternehmen (80-100 Mitarbeitende). Das Bewerbungsgespräch war der Anfang und es haben natürlich weitere Komponenten und Gegebenheiten in die geringere Fluktuation in meinem Bereich hineingespielt. Trotzdem hat es dazubeigegtragen, dass sich meine Mitarbeitenden für mich als Person und Führungskraft im Unternehmen entschieden haben.
Und seien wir ehrlich, warum geht ein Mitarbeiter zu einem Unternehmen oder entscheidet sich für ein bestimmtes Unternehmen? Weil sie mit Ihnen als Person ein gutes Gespräch hatten oder sie auf derselben Wellenlänge sind. Deshalb sprechen viele KollegInnen in den Bereichen Coaching und Human Resources von Kennlerngesprächen und nicht von Bewerbungsgesprächen.
Der Arbeitsmarkt ist jetzt ein Bewerbermarkt.
- Nutzen Sie die Zeit, die Sie mit einem Bewerber haben und stellen Sie Fragen, die mit WAS, WIE oder WELCHE anfangen.
- Stellen Sie so gut wie möglich OFFENE Fragen, damit Sie Interesse an Ihrem Gegenüber zeigen.
- Verwenden Sie wenigere GESCHLOSSENE Fragen (Antwort: JA oder NEIN).
- Geben Sie Ihrem Bewerber Spielraum zum Antworten.
- Seien Sie ehrlich, offen und Sie selbst.
Fake it until you make it … zieht hier NICHT mehr.
Der Mitarbeiter kommt spätestens nach ein paar Wochen im Unternehmen drauf, dass er hier nicht richtig ist und verlässt Sie. Die Einschulung von ein oder mehrere KollegInnen war umsonst und hat Zeit, Kraft und Energie gekostet. Es hält alle Beteiligten auf und Prozesse werden verlangsamt.
Wenn Sie Zeit im Überfluss haben, dann ist das tragbar, aber wenn sie effizient und fokussiert an einem Ziel arbeiten wollen, ist das für all ihre Mitarbeitenden mühsam, anstrengend und eine absolute Demotivation, vor allem, wenn es öfter hintereinander passiert.
Ein gutes Bewerbungsgespräch ist nicht der Garant, dass jeder Mitarbeitende zum Unternehmen passt und ewig bleibt, aber es ist die Basis für eine gesunde Unternehmerkultur und das ist die Basis im Personalwesen und Human Resources Department.
Viel Erfolg bei Ihren kommenden Kennenlerngesprächen.
Herzlichst
Kathrin Fuchs
Leadership Coach
_ goldWERT _ events & coaching
P.S.: Wenn Ihnen etwas im Gesichtsausdruck des Bewerbenden auffällt, fragen Sie nach, ob es Unklarheiten gibt. Seien Sie empathisch und aufmerksam.
